Portrait: Barbara Erzbergbau GmbH

"Glückauf" im Mindener Land

Die bekannten Branchen im Kreis Minden-Lübbecke sind Maschinenbau, Kunststoff- und Elektrotechnik, Handel und Gesundheitswirtschaft. Aber hätten Sie´s gewusst? Auch das einzige derzeit fördernde deutsche Eisenerzbergwerk gibt’s im Mindener Land: die Barbara Erzbergbau GmbH. Mit ihrer inzwischen 133-jährigen Geschichte gehört sie zu den traditionsreichsten heimischen Unternehmen.

Unternehmensgeschichte beginnt im Jahr 1883

Die Grundlagen wurden im Jahr 1835 gelegt, als der „Mechanikus“ Johann Dinnendahl aus Mülheim an der Ruhr beim königlichen Oberbergamt in Dortmund mit Erfolg die Abbaugenehmigung für Eisenerz zwischen Kleinenbremen und Hausberge beantragte. Eine zukunftsweisende und kluge Wahl, wenn man bedenkt, dass hier noch heute geschätzte 200 Millionen Tonnen Rohstoffe im Berg schlummern…

Im „Eisensteinfeld Wohlverwahrt“ begann 1883 ein kleiner Betrieb mit der Tagesförderung von 40 bis 50 Tonnen Eisenerz. An diesem Ort, wo heute das Besucherbergwerk Kleinenbremen seine Heimat hat, beginnt die Unternehmensgeschichte der heutigen Barbara Erzbergbau GmbH mit Sitz in Porta Westfalica-Nammen.

Technischer Fortschritt bringt Erleichterungen in Abbau und Transport

Atlas Copco zweiarmiger Bohrwagen
Atlas Copco zweiarmiger Bohrwagen

Bergmann war ein schwerer Beruf, Muskelkraft ein entscheidender Faktor. Das gewonnene Erz wurde mit Förderwagen aus dem Berg befördert, auf Pferdefuhrwerken nach Bückeburg gefahren, dort auf Eisenbahnwaggons verladen und ins Ruhrgebiet zur Verarbeitung in den Hochöfen transportiert. Der technische Fortschritt brachte in dieser harten Branche im Laufe der Jahre viele Erleichterungen in Abbau und Transport. Meilensteine dabei waren die Eröffnung der Kleinbahnstrecke Kleinbremen-Minden im Jahr 1921, ab 1956 der zunehmende Einsatz von „Gleislos-Geräten“ unter Tage und ganz besonders die vollständige Umstellung auf „Gleislos-Förderung“ ab 1977/78: Durch einen Geländeeinschnitt wurde ein Schrägstollen (Rampe) in den Berg gebaut, der die Lokomotivförderung überflüssig machte und das Verladen des gewonnenen Gesteins auf LKWs ermöglichte. Die Beförderung erfolgt seitdem vom untertägigen Abbauort direkt zur weiteren Verarbeitung in die übertägige Brech- und Siebanlage. 1962 wurde die Bohrarbeit von Hand auf elektrohydraulische zweiarmige Bohrwagen umgestellt – eine weitere große Erleichterung für die Gesteinsgewinnung.

Auf Expansionskurs

Barbara Erzbergbau

Gegenläufig zur Erweiterung des Maschineneinsatzes und steigenden Produktionsmengen entwickelte sich die Mitarbeiterzahl: Während in den 1930er Jahren bis zu 500 Beschäftigte in den Büchern standen, erwirtschaften heute rund 50 Mitarbeiter eine jährliche Förderung von 500.000 Tonnen Gestein/Eisenerz pro Jahr – das entspricht rund 2000 Tonnen pro Tag und damit der 40-fachen Menge der Anfangszeit.

Die Barbara Erzbergbau GmbH fördert an den Standorten Wülpker Egge im Tagebau sowie in der Grube Bergmannsglück in Todenmann und in Nammen im Tiefbau; Hauptproduktionsstätte ist Nammen. Hier wird gefördert und weiter verarbeitet, und hier steht das Verwaltungsgebäude. Eine geringe Mitarbeiterfluktuation spricht für das Betriebsklima: Zwei Mitarbeiter konnten kürzlich ihr 45-jähriges Betriebsjubiläum begehen. Derzeit befindet sich das Unternehmen auf Expansionskurs. Neue Schlosser und Elektroniker werden gesucht, um die Stammbesetzung zu verstärken. Vor allem werden nach 40 Jahren wieder Bergmänner (Bergbautechnologen) ausgebildet. Der erste Azubi startete in 2016, zwei weitere sollen 2017 folgen. „Darauf sind wir stolz“, betont Geschäftsführer Olaf Lüppes, der seit 2003 die Geschicke des Unternehmens leitet.

Wichtig sind ihm nachhaltige und langfristige Planungsmöglichkeiten für die Firma und ein Finanzpartner, der für die Besonderheiten der Branche Verständnis hat. „Manche unserer Geräte und maschinellen Anlagen laufen über 30 Jahre. Das muss bei einer möglichen Finanzierung verstanden und berücksichtigt werden“, so Lüppes. Seit 2010 ist Firmenkundenbetreuer Lutz Richter von der Volksbank Mindener Land sein erster Ansprechpartner für alle Fragen rund um die Finanzen. „Unkompliziert und transparent“, so beschreiben beide ihre Zusammenarbeit. Der klare und unverstellte Umgang miteinander bildet die gegenseitige Vertrauensbasis.

Engagement für den Umweltschutz

Die Arbeit im Berg mit den nötigen Sprengungen und das Abfahren der Gesteine sind nicht unbemerkt von den in der Nähe wohnenden Menschen möglich. Ein offener Informationsaustausch bildet deshalb auch hier die Grundlage für die Akzeptanz bei den umliegenden Nachbarn. Regelmäßige „Runde Tische“ mit den Ortsvorstehern und situative Gespräche mit Bewohnern gehören zur Unternehmenskultur.

Die Barbara Erzbergbau GmbH stellt ihre Produktion möglichst in den Einklang mit der Umwelt. Nach der Förderung werden die Abbauhohlräume wieder verfüllt, um das Areal standsicher zu machen und Schäden an der Oberfläche zu vermeiden. Zusätzlich engagiert sich das Unternehmen im Umweltschutz und stellt seit 2013 dem Naturschutzbund NABU ein Feuchtbiotop zur Verfügung, in dem sich die fast ausgestorbene Gelbbauchunke ansiedeln konnte. Durch das Befahren des Areals mittels Maschinen wird die nötige Dynamik erzeugt, die eine günstige Vegetation für die Unke entstehen lässt.

Und die Zukunftsperspektiven der Barbara Erzbergbau GmbH? Gerade wurde ein 25.000 Quadratmeter großes Grundstück gekauft. Die Planungen für die Nutzung laufen. Und wie gesagt: Im Bergbau denkt man langfristig, so dass der erfolgreiche Betrieb auf viele weitere Jahre ausgelegt ist. Bleibt zu hoffen, dass die Namensgeberin des Unternehmens und Schutzpatronin der Bergleute, die heilige Barbara, weiter ihre schützende Hand über Nammen, Kleinenbremen und Todenmann hält – GLÜCKAUF!

Strossenbohrgerät
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