Tschernobylkinderhilfe Minden e.V.

Volksbank Mindener Land unterstützt Erholungsurlaub für 33 weißrussische Kinder

Martina Höfel von der Tschernobylkinderhilfe Minden berichtet vom Besuch 33 weißrussischer Kinder, die mit finanzieller Unterstützung der Volksbank Mindener Land einen dreiwöchigen Erholungsurlaub in Minden verbrachten.

Herfahrt und Ankunft

Jedes Jahr im Juni fährt in Minsk in Weißrussland, auch Belarus genannt, ein Bus in Richtung Minden los. An verschiedenen Orten steigen Kinder zu; einige sind zum ersten Mal dabei, sie kennen weder die Betreuer noch die anderen Kinder. Sie steigen also in einen Bus mit fremden Kindern, fremden Betreuern und fahren in ein fremdes Land, mit fremder Sprache um dort drei Wochen bei Ihnen unbekannten Menschen zu leben. Aber sie tun es mit großer Vorfreude, drei Wochen Abwechslung von der täglichen Not in ihrer Heimat.

Nach 24-stündiger Busfahrt sind die Kinder und Betreuerinnen in diesem Jahr am Sonntag, 7.6.2015 in Minden eingetroffen und wurden mit großem Hallo von den Gasteltern und den Mitgliedern der Tschernobylkinderhilfe Minden begrüßt.

Während die Wiederholer-Kinder freudig ihren Gastfamilien entgegen stürmten, suchten die neuen Kinder zunächst gespannt nach ihren Gastfamilien. Vorab waren schon Emails mit Bildern nach Weißrussland übermittelt worden, damit man sich nicht so ganz fremd gegenüberstand.

Tägliches Angebot

Da ein Großteil unserer Gasteltern berufstätig ist, bieten wir werktags von 7-15 Uhr eine Tagesbetreuung für alle Kinder an. Dafür stellt uns die Freie Waldorfschule Haddenhausen e.V.  freundlicherweise jedes Jahr einen Raum zur Verfügung. Die vier Betreuerinnen aus Weißrussland, alle mit pädagogischer Ausbildung und guten Deutschkenntnissen, machen dabei ein vielfältiges Angebot mit Möglichkeiten zu freiem Spiel, aber auch mit Unterricht in Deutsch und Landeskunde.

Ein wesentlicher Bestandteil des Tagesablaufs ist seit 2012 das gemeinsame Mittagessen der Kinder. Das Essen beziehen wir über die Mensa der Kurt-Tucholsky-Schule, die gesunde Mahlzeiten aus regionalen Zutaten bereitet.

Gedacht war dieses Angebot vor allem als eine Entlastung für die Gasteltern, damit diese nachmittags nach Rückkehr der Kinder nicht als erstes am Herd stehen müssen. Aber das Angebot hat sich vor allem bei den Kindern selbst als ein Riesenerfolg herausgestellt. Diese mögen das angebotene Essen sehr und  lieben es vor allem in Gemeinschaft zu essen! Bedingt durch die meist sehr beengten Wohnverhältnisse und sonstigen Lebensumstände in Belarus haben sie offenbar diese Möglichkeit dort nicht.

Ausflüge

Höhepunkte des Aufenthalts sind in jedem Jahr die kleinen und großen Ausflüge. Dabei gibt es einige unverzichtbare Dauerbrenner im Programm, aber auch jedes Jahr wieder etwas Neues.

In diesem Jahr begann es mit einer Stadtführung in der alten Stadt Minden, die an zwei Tagen in zwei Gruppen stattfand. Der Dom und die Besonderheit Mindens mit  Ober- und Unterstadt hatten es den Kindern besonders angetan.

Ebenfalls in Gruppen ging es zum Kochen in die Schule für Diätassistenz in Minden. Dort hatten die Schülerinnen in einem Projekt ein Konzept für gesunde Ernährung und die Vermittlung der Zubereitung der Gerichte entwickelt. Wie schon im Vorjahr waren unsere weißrussischen Kinder mit großer Freude und Engagement dabei. Eine Betreuerin berichtete, dass ein Junge das im letzten Jahr gelernte Rezept für Cup-Cakes seither auf jeder Familienfeier in Weißrussland umsetzt!

Ein besonderes Erlebnis war für 24 der größeren Kinder eine Kanutour auf der Weser. Bei schönem Wetter wurde die Strecke von Vlotho nach Minden zweieinhalb Stunden bravourös bewältigt.

Ein unverzichtbarer Höhepunkt ist seit vielen Jahren unser Tagesausflug mit den Auenland Draisinen von Rahden nach Hannoversch Ströhen. Ein besonderer Dank gilt dabei jedes Jahr dem Team vom DRK Dankersen, das die Streckensicherung perfekt realisiert. Die Kinder haben so viel Spaß an der Fahrt, dass sie die zweimal 14 km Strecke hin und zurück bewältigen. Als Begleitperson hat man kaum eine Chance an die Pedalen zu kommen und sitzt meist gemütlich auf der Bank und wird gefahren!

Mittags wird am Lokschuppen Picknick gemacht und es gibt ausnahmsweise eine kleine Cola zu trinken. In den Pausen wird gespielt und gegessen und gegessen und gespielt!

Neu im Programm hatten wir dieses Jahr einem Besuch in der Glashütte Gernheim. Mit den Museumspädagogen haben die Kinder die Zutaten für Glas zusammengesucht und nach  Geheimrezept gemischt, später dann fasziniert dem Glasbläser bei der Arbeit zugeschaut und selber probiert, wie viel Puste es braucht, um aus einem Klumpen Glas ein Gefäß zu formen.

Schwimmen

In Belarus gibt es nur wenige Sommerbäder und sehr vereinzelt Freizeitbäder. Deshalb sind Besuche der Bali-Therme in Oeynhausen und im Sommerbad Minden sehr beliebt. Wir stellen dabei zunehmend fest, wie wenige Kinder mit Schwimmkenntnissen zu uns kommen. In diesem Jahr konnte nur eines unserer neuen Gastkinder schwimmen. Für nächstes Jahr wollen wir daher versuchen, in irgendeiner Art und Weise einen Schwimmkurs zu organisieren. Gute Ideen und Unterstützung sind herzlich willkommen.

Abschluss

Am Samstag, 27.06. waren die drei Wochen wieder viel zu schnell vergangen und Kinder und Betreuerinnen wurden mit vielen Abschiedstränen verabschiedet. Und alle Kinder, Betreuerinnen, Gastfamilien und Mitglieder der Tschernobylkinderhilfe Minden freuen sich schon auf den Juni 2016, wenn sich wieder ein Bus in Minsk auf den Weg nach Minden macht.