Prinzip „Selbsthilfe“ bei Volksbanken aktueller denn je

Kreditgenossenschaften haben Krise bislang ohne fremde Hilfe gemeistert

Die Vorfahren der heutigen Ovenstädter waren die ersten. Mit dem „Ovenstedter Spar- und Darlehnskassenverein“, einer eingetragenen Genossenschaft mit unbeschränkter Haftung (eG m.u.H.), gründeten Bürger der Gemeinde im Jahr 1888 die erste Genossenschaftsbank auf dem Gebiet des heutigen Kreises Minden-Lübbecke. In einem Akt der Selbsthilfe wollten sich Landwirte, Handwerker und aufstrebende Gewerbetreibende in wirtschaftlich schwieriger Zeit den Zugang zu dringend benötigtem Investitionskapital verschaffen.

Das Beispiel des Spar- und Darlehnskassenvereins Ovenstedt sollte schnell Schule machen. In vielen Orten der damaligen Landkreise Lübbecke und Minden schlossen sich danach Menschen aus allen Schichten zu Kreditgenossenschaften zusammen. Allein die heutige Volksbank Mindener Land gründet sich auf insgesamt 18 Ortsgenossenschaften. Meist wurden sie unter dem Namen „Spar- und Darlehnskassenverein“ in Kombination mit dem Ortsnamen beim zuständigen Amtsgericht in das Genossenschaftsregister eingetragen.

Heute – mehr als 120 Jahre später – besteht die genossenschaftliche Bankengruppe im Kreis Minden-Lübbecke aus vier ortsansässigen Instituten. Weitere vier Kreditgenossenschaften (Volksbank Bad Oeynhausen-Herford, Volksbank Hameln-Stadthagen, Volksbank in Schaumburg und die Sparda-Bank Hannover) sind mit Filialen im Kreisgebiet vertreten. Mit einer Wertschöpfung (Löhne/Gehälter, Steuerleistung, Dividenden-Ausschüttung und Investitionsvolumen) von jährlich knapp 60 Millionen Euro bildet die gesamte Gruppe einen wirtschaftlich starken Verbund.

Jede einzelne Volksbank versteht sich als Bank aus der Region für die Menschen und den Mittelstand in der Region. Diese Konzentration auf das Geschäft vor der eigenen Haustür gilt als ein Erfolgsrezept dafür, dass Kreditgenossenschaften die Wirtschafts- und Finanzkrisen der vergangenen Jahre besser als andere gemeistert haben. Immerhin dürfen die Genossenschaftsbanken als einzige deutsche Bankengruppe von sich behaupten, ihre Institute ohne fremde Hilfe sicher durch die Krise gesteuert zu haben. Hinzu kommt der Anspruch jeder Kreditgenossenschaft, die eigenen Kunden aktiv und stets bedarfsorientiert zu beraten.

Etwa 198.000 Menschen aus dem Kreis Minden-Lübbecke schenken den Genossenschaftsbanken in finanziellen Angelegenheiten ihr Vertrauen. Knapp die Hälfte davon – alles in allem etwa 96.500 Männer, Frauen und Kinder – sind zugleich Mitglieder und damit Eigentümer ihrer Volksbank vor Ort. In dieser Funktion verfügen sie über wichtige Mitwirkungsrechte, können selbst oder über gewählte Vertreter bestimmen, wer in den Aufsichtsrat gelangt und von diesem in den Vorstand berufen wird.

Die Wirtschaft und den Erwerb ihrer Mitglieder zu fördern – darin sehen die Volksbanken ihre wichtigste Aufgabe. Ihren gesetzlichen Förderauftrag legen die Kreditgenossenschaften dabei traditionell großzügig aus. Das bedeutet: Nicht nur die eigenen Mitglieder, sondern darüber hinaus auch zahlreiche Organisationen, Schulen, Vereine und Institutionen aus dem jeweiligen Geschäftsgebiet werden fachlich und finanziell gefördert. Jahr für Jahr stellen die Banken dafür eine halbe Million Euro zur Verfügung.