„Zeitenwende – Europas Rolle in einer veränderten Welt“

ARD-Experte Markus Gürne informierte Kunden der Volksbank Mindener Land

Wer konkrete Anlagetipps oder eine tagesaktuelle Betrachtung der Börsencharts hören wollte, dessen Erwartungen wurden nicht erfüllt. Stattdessen bekamen die Gäste der Volksbank Mindener Land etwas Besseres: Eine Gesamteinschätzung der Zusammenhänge zwischen Politik und Wirtschaft von einem, der dazu etwas zu sagen hatte.

Markus Gürne, Leiter der ARD-Börsenredaktion und vielen bekannt aus der „Börse vor acht“, beleuchtete die Weltwirtschaft und -politik aus verschiedenen Blickwinkeln. In seiner Funktion als Auslandskorrespondent der ARD für Südasien lebte er in Indien und war unter anderem zuständig für Ägypten, Jordanien, Syrien, Irak, Saudi-Arabien und die Golfstaaten. Darüber hinaus war er als ARD-Sonderkorrespondent für den Irak in Bagdad tätig.
Aus diesem Erfahrungsschatz mit vielen persönlichen Begegnungen speiste Gürne seinen lebendigen Vortrag. Zur Verdeutlichung reichte ihm eine Weltkarte, auf die er im Laufe seines Vortrages immer wieder zurückkam.

Markus Gürne beschrieb den Status quo als „multipolare Welt“, deren einflussreichste Nationen die USA, Russland, Indien und China seien. Ihre Kraft schöpften sie aus ihrer Größe, ihren Bevölkerungszahlen, und aus ihrem geschlossenen System mit einheitlicher Währung. Die „bipolare Welt“ der vergangenen 70 Jahre mit den Polen Ost und West sei Vergangenheit. „Wir leben in einer Zeitenwende“, so Gürne.

Europa habe auch viel erreicht: Wir leben seit siebzig Jahren in Frieden, Freiheit und Sicherheit. Zusammengenommen sind wir die größte Wirtschaftsmacht auf der Welt – „aber wir machen nichts draus.“ Wir müssten begreifen, dass zwei Grundpfeiler unserer politischen Einschätzung Geschichte seien: 1. Die USA sind immer für Europa da, und 2. Die USA garantieren freien Welthandel. Nur dann, wenn die EU als Einheit aufträte, hätte sie Einfluss. Und sie müsste selbst für Sicherheit, Frieden und Freiheit sorgen – was sicherlich in den nächsten Jahren zu enormen Kosten führen würde.

ARD-Experte Markus Grüne informierte Kunden der Volksbank Mindener Land
ARD-Experte Markus Gürne (2.v.r) mit den Volksbank-Vorständen Udo Napp (l.) und Peter Scherf (r.) sowie Klaus-Martin Schlichting (Leitung Vermögende Privatkunden).

Gürne erklärte das Handeln der Staaten jeweils aus deren Sicht: die USA würden geführt wie ein Unternehmen, China sei auf dem Weg zum Konsumland (das auch in Deutschland Unternehmen kauft), und Indien gehe seine Kernprobleme Korruption und Energiesicherheit gezielt an. So entstände dort eine kontinuierlich wachsende Mittelschicht von aktuell rund 540 Millionen Menschen – was für ein Markt!

Er erläuterte die deutschen bzw. europäischen Schwachpunkte anschaulich an dem Umgang mit dem Dieselskandal, am Brexit und der Flüchtlingskrise. Generell, so Gürne, gäbe es Regeln, an die man sich aber nicht unbedingt halte – und das oft ohne dass entsprechende Konsequenzen folgten. Das führe zu einem Glaubwürdigkeitsproblem und Vertrauensverlust weltweit.

Und wie sieht es mit unserer finanzpolitischen Bildung in Deutschland aus? Auch da fehle es an so manchem. „Warum ist Wirtschaft kein Schulfach?“ fragte Gürne. Wir brauchen Informationen, um uns zu entscheiden. „Kommunikation ist der Schlüssel – in jeder Hinsicht.“ Seine Empfehlungen: Die Welt von oben anschauen, Informationen sammeln, den eigenen Verstand nutzen (– auch auf das Bauchgefühl hören). Diese Informationen übereinbringen mit Produkten und Unternehmen, die einem gefallen. Und mit diesen Rahmenbedingungen überlegen, wie man sein Geld anlegen möchte.

Nachdem Markus Gürne zahlreiche Fragen der interessierten Gäste beantwortet hatte, bedankte sich Klaus-Martin Schlichting (Leitung Vermögende Privatkunden) herzlich für 90 Minuten voller spannender und unterhaltsamer Einblicke – nicht ohne den Hinweis, dass die Beraterinnen und Berater der Volksbank Mindener Land bei der Suche nach der passenden Geldanlage mit ihrem Fachwissen zur Verfügung stehen.